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aw: geschäftsidee + produktion in china   guter beitrag schlechter beitrag
kleiner Prinz
07-mai-04
@Wisser
...auch wenn Dein Vergleich schmerzt...stimme ich grundsaetzlich zu.
Belohungssystem hat 'was, aber was ist mit dem irren Ausschuss gerade bei dem Anlauf einer Produktion ? Kenne Modell hier, wonach dem Mitarbeiter der Materialwert des Ausschusses vom Lohn abgezogen wird. Das zwingt zur Konzentration und verstaerkt die Verantwortung fuer Qualitaet die durch die eigene Hand entsteht.
Angst verlieren ist wichtig, geht in Richtung eines aelteren threads "kulturelles Management".
Die Kommentare bezueglich der weiblichen Arbeiter teile ich. Leider auch die Einschaetzung der mangelnden Initiative auch verglichen mit ihren maennl. Kollegen. Wenn man da nicht die traditionellen Verhaltensmuster chin. Frauen immer im Hinterkopf hat, landet man manchesmal - auch mangels direktem feedback (schuechtern-kicherkicher) - schnell bei ganz engen, kleinen, ungeduldig abgegebenen Vorgaben. Dann ist die mogeliche Eigeninitiative schon im Keim erstickt (zuhause legen die Frauen ja ‘ne ganz andere Platte auf…) und man/frau verschanzt sich hinter fuegsamer Indifferenz. Meist ist man eben doch als Lehrer unterwegs - was die Sache angeht. Sollte nur nicht zur vorherrschenden Umgangsform werden...
 
 
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Wisser
09-mai-04
So ist es, leider.

Das Belohnungprinzip funktioniert in China garnicht. Strafe aber schon eher. Drumm ist die Idee 'Verbesserungsvorschlaege' gut, bringt aber zero, oder weniger. Dazu kommt noch, dass wenn ein Chinese eine 'gute Idee' hat meisstens totaler Schwachsinn dabei rauskommt.

Am weitesten kommt man wenn man den Leuten komplett das denken abnimmt und moeglichst verbietet. Wer sich nun dagegen wehrt, den sollte man sich genauer anschauen und foerdern.

Ich hatte z.B. mal ein Girl (jung, frischer Reisbauer, 0-Ahnung) welches mir (MIR! Nicht dem LineLeader) sagte das ihr der Job zu langweilig ist. Die wurde dann gleich an eiren der teuren Testplaetze gesetzt und hat dan Job dann sehr gut gemacht.

Nochwas: Erfahrung kann theoretisch gut sein. Meisst ist es aber nicht die Erfahrung die man braucht und das Gehirn ist voll mit alter Erfahrung und es passt keine neue mehr rein. Drumm sind neue Leute mit keiner Erfahrung, oder mit Grundkenntnissen meisst besser.
 
 
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kleiner Prinz
09-mai-04
@Wisser
Hielte es fuer einen Fehler das Belohnungsprinzip und auch Belohnung fuer Verbesserungsvorschlaege nicht einzufuehren, nur, weil es “nicht funktioniert”. Gemeint ist wohl damit, das “es nix zu belohnen gibt” und/oder “keine Verbesserungsvorschlaege kommen, oder wenn dann nur Schwachsinn”. Meinst Du auch nicht, ich will Dich ja auch nicht absichtlich missverstehen ;-))
Wichtig finde ich aber eben auch den psychologischen Effekt, d.h. es soll das Gehirn in Bewegung gesetzt werden, jeder Einzelne ist wichtig und hat Verantwortung etc. Bei einem “Nur-Bestrafungs-System” zementiert man ein negativ belegtes, stares Erfuellungssystem, demgegenueber mit Belohnung aber – wenn auch nur selten und eher potentiell zu sehen – wird eine positiv besetzte Perspektive von Eigeninitiative, Lernen und Entwicklung moeglich. Kombiniert wird damit dann eben auch die Spanne der steuerbaren Bewertungsinstrumentarien groesser. Und damit dann eben auch die Optionen einer gerechten Arbeitsbewertung. Sowas hat in China allerdings keine Tradition, also gehoert Transparenz der Kriterien, wie auch der Durchfuehrung und Sensibilitaet bei der Einfuehrung unbedingt dazu.
 
 
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kleiner Prinz
09-mai-04
…der Satz war sehr undeutlich, meinte:
Kombiniert man also beide Systeme (Strafe und Belohnung) wird damit dann eben auch die Spanne der Bewertungsinstrumentarien, mit denen man das Arbeitsergebnis gezielt steuern kann, groesser.
D.h. der “Depp”, der nur Asschuss macht, wird bestraft/nicht belohnt und haelt das durchschnittliche Arbeitsergebnis ein (ohne Strafe saenke das durchschnittliche Arbeitsergebnis).
Der “Mittelqualifizierte” wird nicht betraft/nicht belohnt und muss Strafe fuerchten/hat Chance auf Zusatzverdienst bei Verbesserung seiner Arbeitsleistung.
Der “Talentierte” wird nicht bestraft/aber belohnt, ist ein Zeichen/Vorbild fuer andere und “zieht” das Arbeitsergebnis hoch. Gleichzeitig foerdert man damit die (Fuehrungs-) Nachwuchskraefte aus dem eigenen Unternehmen.
 
 
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William
09-mai-04
freunde,

ich denkle schon das ein belohnungssystem sinn macht. wenn wir den
ausschuß durchweg vom lohn abziehen gehen die arbeiter weg. wir
haben einen neuzugang gleich wieder ausgestellt weil der einfach
zu schlampig gearbeitet hat. I übrigen hat das die abteilung wach gerüttelt.
Eine belohnung sollte vor allen mitarbeitern ausgesprochen und übergeben werden. Natürlich sprechen wir nicht über 100 rmb. Ich denke ruhig mal krachen lassen und sehen wir die belegschaft reagiert.


Wäre schon gut wenn der clemens einen lockeren bussinessbereich einführt. Also nicht im premium bereich damit viele angesprochen werden.
Ich bin ja nicht der erste der so geradeaus fragt und sicher nicht der letzte.
Habe auf dem schw. brett der AHK gepostet aber nicht eine einzige anfrage
erhalten dabei ist das spektrum das wir anbieten riesig. Eine plattform macht da schon sinn. Nur viele sind wir im grunde nicht und es muß wohl abgewogen werden ob sich arbeit dafür lohnt.

Ein treffen wie der kl. prinz es vorschlägt wäre auch eine gute sache nur
die termine und entfernungen stehen dagegen. Ist ein bischen schwer
zu coordinieren. Ich gebe allen die hier im tread gepostet haben meine
telefonummer bekannt und wenn eintreffen in SHG angesagt ist können
wir uns auch kurzfristig absprechen. Wird schon hinhauen denke ich.


William
 
 
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Wisser
09-mai-04
Ein Belohnungssystem macht eigentlich keinen Sinn, weil keine Verbessungsvorschlaege kommen werden. Es schadet aber natuerlich nicht so ein System zu haben.

Man kann's ja evtl. so machen das man seine eigene Idee (die ja meisst sehr gut ist, aber nicht belohnt wird) versucht auf einen der Arbeiter aufzudruecken, und dann so tut als ob diese da alleine drauf gekommen waere.

Denkt bitte dran das eigenes Denken in China verboten ist und ab Geburt im Keim erstickt wird. Das sieht man sehr gut da drann das aus China kaum neue Entwicklungen oder neue Designs kommen. Alles wird nur kopiert. In der Schule heist's ja auch 'Fresse halten und zuhoeren'. Ja nicht Fragen stellen und schon gar nicht diskutieren.

Aber OK, nach Vorgaben arbeiten koennen sie schon besser wie Thais, PH's, VN, usw. zusammen.
 
 
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kleiner Prinz
09-mai-04
@Wisser
…nein ! Nicht entweder-oder, sondern sowohl als auch.

Belohnungssystem fuer ueber der Norm (Qualitaet und/oder Menge).

Dazu dann vielleicht zusaetzlich ein Belohnungs-/Teilhabesystem aufgrund von Verbesserungsvorschlaegen. Der Nutzen wird ueberschlagen und z.B. per Einmalzahlung und 10% der Jahresersparnis des Bertriebes verguetet. Der Nutzen liegt vielleicht nicht messbar in EU, oder Y, aber psychologisch wichtig, meine ich.

Das nicht merkbare Ueberlassen von Ideen ist ein schoenes Beispiel. Geht in Richtung “Gesicht geben”. Das ist oft wirkungsvoller als eine einmalige Belohnung in Geldform.

Ich kenne aus meiner Zeit als Lehrer hier einige experimentelle Schulen, die genau diese Problematik angehen. Meine YP haette da vor einiger Zeit auch ‘mal ‘was zu geschrieben. Ausserdem ist doch auch jeder potentiell lernfaehig. Als wir hierherkamen mussten wir doch auch schliesslich unsere Vorstellungen und Ideen an China adaptieren, bis hin zu tiefen strukturellen Persoenlichkeitsaenderungen. Braucht Zeit, tut auch weh, sollte man aber versuchen. Da gibt es tolle Geschichten, die ich erlebt habe, wenn man ersteinmal jemandem eine Chance gibt. Aehnlich Deinem Beispiel mit dem jungen Bauernmaedchen, die Dich wg. Unterforderung anhaut.
Und genau: Diese Personen sichtbar foerdern und gegen Widerstand schuetzen ! Warum sollen sie nicht auch Fehler machen duerfen ? Machen wir hier schliesslich auch jeden Tag.

Und wenn sie nicht Fragen stellen wollen, sollte man ihnen Fragen stellen. Das ist doch genau der Haken: Sie wurden bisher ja auch nie richtig gefragt ! Wie ein Lehrer halt: Wie findest Du das ? Warum ? Warum so und nicht so ? Wenn man es anders macht, was wird dann anders und warum ? Wenn man nicht weiterweiss und keine Loesung finden kann, wer kann helfen ? etc.
 
 
aw: geschäftsidee + produktion in china   guter beitrag schlechter beitrag
kleiner Prinz
09-mai-04
@William
…warum so starr ? Man hat doch statistisches Material. Ist zuviel Ausschuss und man geht mit dem Abzug des Materialwertes hier und es bleibt nix fuer den Arbeiter ueberig ist das System eben zu wenig angepasst. Kann man doch steuern ! Dann den Grundlohn eben hoch genug waehlen, das bei den Mitarbeitern (bei denen man noch ein Minimun an Hoffnung hat, das sie die Leistung erbringen) ein gerade noch auskoemmlicher Monatslohn uebrigbleibt. Erreicht er die Norm keinen Abzug, ist er besser als die Norm bekommt er echten Bonus.
Und dann das System monatlich/halbjaehrlich/jaehrlich je nach Datenlage anpassen.

Das “Wachruetteln” (hab’ Deinen Beitrag wohl z.T. mit Wisser’s verwechselt) ist auch urchinesisch. Sunzi meine ich, also eine Krieslist…: Einem Hahn den Hals umdrehen erschreckt die Affen (oder aehnlich).

Ja, finde ich auch: “Ruhig mal krachen lassen und sehen wir die Belegschaft reagiert” UND wenn er das Niveau dann nicht beibehaelt, eben auch vielleicht ‘mal den oeffentlichen Abzug (ist problematisch wg. “Gesicht”).

Kenn ‘ne huebsche Gruenderlegende, wo der Chef den Ausschuss auf einen Haufen geworfen hat und Benzin druebergoss ! Die Arbeiterschaft hat Zeter und Mordio geschrien, weil man diese Sachen doch auch noch verticken haette koennen. Aber es sollte ja auch ein Zeichen gesetzt werden: Abfall gehoert verbrannt !
 
 
aw: geschäftsidee + produktion in china   guter beitrag schlechter beitrag
kleiner Prinz
09-mai-04
..Nachsatz zur Kuer des "Helden der Arbeit"...:

Besser faende ich jedoch ein leistungsgerechtes System fuer alle. Was waere mit der Gruppe von Arbeitern, die auch ueber der Norm liegen. Die gingen leer aus, wuerden also bestraft (!) und nur eine einzige Person, “der Beste” wuerde herausgehoben. Der stuende danach sicherlich auch unter besonder argusaeugiger Beobachtung, vermute ich.
 
 
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Frieder Demmer
09-mai-04
das meisste ist gesagt - die Notwendigkeit von Strafe, die Wirksamkeit von Leistungsorientierten Bonussen - mir waere nur noch wichtig sich die genannten Beispiele genau anzugucken

Dann wird deutlich, dass in China (positiv wie negativ) vor allem das wirkt, was nicht "systematisiert" ist, was aus der Situation kommt und auch emotional vom Vorgesetzten stimmig mitgetragen wird.

Chinesisches Alltagsleben besteht zu einem großen Teil darin, Systeme mehr oder minder elegant zu unterlaufen, Planziele formal zu erreichen, Dinge "trotzdem" zu tun. Das heisst, dass ein Management, dass zu frueh und zu stark auf automatisierte Systeme und Strukturen setzt, dadurch schnell ins Leere laeuft.

Persoenliche Verbindlichkeit ist das Rueckgrat jeden erfolgreichen Managements in China, verbunden mit der anfangs nicht einfachen Kunst Selbstvertrauen zu kommunizieren und damit Initiative zu foerdern - da fand ich Wissers ansatz ganz witzig mit dem "Revolluzzer-Filter".

Unsere Untersuchungen haben u.a. gezeigt, dass Chinesen kein prinzipiell geringeres Vermoegen haben, eigene Gedanken zu entwickeln, aber ein massivst geringeres Beduerfnis diese Gedanken zu aeussern - solange nicht ganz klar ist, inwieweit das von Vorteil sein koennte.

Diese "verborgenen Schaetze" eroeffnnen sich nur ueber Belohnung und persoenliche Zuwendung. Einem Chef, der eine Attituede zeigt: "Der einzige der hier Ideen hat bin doch ich", dem wird ein Chinese schon aus Prinzip nichts sagen, weil er genau weiss, dass dieser Chef auch diese Idee sofort als seine eigene ansehen wird... .

Offen bleiben - wie Wisser mit der Erfahrungsfalle gesagt hat - das ist in China das A und O.
 
 
aw: geschäftsidee + produktion in china   guter beitrag schlechter beitrag
SteveTianjin
09-mai-04
Ich hoffe doch, daß Euer "Erfahrungsaustausch" in diesem Thread nur ein geschickt verpackter Witz ist! - oder irre ich da?

Habt Ihr tatsächlich schon einmal über einen längeren Zeitraum mit chinesischem Personal gearbeitet, egal ob in China oder in Deutschland?

Das Diskutieren über Bonussysteme, Sanktionen, Motivationsspritzen oder -wenn das alles nicht klappt - das Fassen an die eigene Langnase, sich als Europäer als letzte Erklärung für die Schwierigkeiten einzureden, man müsse sich wohl noch etwas eingehender mit der chin. Kultur befassen, alles Quatsch!

Wie wäre es einmal damit, wenn wir uns an der Realität orientierten und die Sache nüchtern betrachten:

Wer einen Job will, muß die Konditionen akzeptieren, sich bei der Arbeit bewähren und bekommt den Lohn, der für das Unternehmen verträglich ist.

Wer das nicht erfüllt, muß gehen, denn es sind gut 1.000 Millionen andere Bewerber in der Warteschlange.

Meine Besucher (Handelsdelegationen) in Deutschland bekommen das volle Programm:
Anstrengende Besichtigungstouren in deutschen Spitzenfirmen, schlafraubende Verhandlungsmarathons und stundenlange Begrüßungsreden und Lobhudeleien durch fragwürdige Repräsentanten der deutschen Lokalpolitik, eben wie in China.

Wenn sie das überstanden haben, gibt es abends ein Super-Essen bei irgend einem schmierigen Chinesen am Bahnhof, mit dem sie sich dann in der eigenen Sprache auseinandersetzen können, wenn ihnen die jautze nicht schmecken. Kommt aber selten vor, weil sie ja mittags bei MacDoof gegessen haben.

.......Fortsetzung folgt
 
 
aw: geschäftsidee + produktion in china   guter beitrag schlechter beitrag
SteveTianjin
09-mai-04
weiter geht's....

Nachdem solch eine Gästetruppe das alles 1-2 Wochen lang gut überstanden hat und anfängt, mich dafür zu lieben, landen wir endlich in meiner "Heimatstadt" Hamburg. Nach einer schönen Hafenrundfahrt und der obligatorischen Besichtigung der Müllverbrennungsanlage, geht es am Abend auf die Reeperbahn. Derweil gehe ich mit den weiblichen Begleiterinnen und Übersetzerinnen in unsere lokalen Szenekneipen und zeige ihnen, wo Boris Becker oder Dieter Bohlen ihre Limo trinken.

Noch ein Blick auf die Alster, ein paar Flaschenschiffe als Andenken am nächsten Morgen (natürlich "made in China") und leichte Andeutungen über die "tollen" Peep-Erlebnisse der vergangenen Nacht, ab geht die Post zurück ins Land der Großen Mauer.

Vertragsabschlüsse mache ich nur in China, wenn ich meine deutschen Auftraggeber als Reisetruppe ins Schlepptau nehme und die dann den Schock überwunden haben, nämlich die potenziellen zukünftigen Joint-Venture Partner von ihrer besten Seite kenen gelernt haben.
Beim Schlendern durch die herunter gekommenen Lagerhallen und Vorkriegswerkstätten stellt sich die notwendige Ernüchterung von selbst ein.

Angst davor, daß Kunden durch diesen Crash-Kurs verschreckt werden könnten, habe ich nicht.

Alles nach dem Motto:
"Nur die Harten kommen in den Garten/No Pain, No Gain"

Wer sich auf die wohlklingenden Analysen und Darstellung fragwürdiger Wirtschaftdaten, alles perfekt im Hochglanzprospekt aufbereitet, verläßt, dem kann ich leider auch nicht helfen, der soll bitte schön leiden.

Ihr werdet es kaum glauben, die Arbeit macht sogar jede Menge Spaß.

Ich habe sogar schon einige wenige chinesische Mitarbeiter gefunden, die angefangen haben zu begreifen, was sich hinter dem Begriff "Solidarität/ Loyalität" verbirgt.

.......weiter
 
 
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kleiner Prinz
09-mai-04
@Steve
…o.k. mit dem zweiten Teil, ein guter Schluck chinesische Realitaet tut denen ‘mal ganz gut, wenn ich auch bei dem Ein und Anderen dann eher den schuetzenden Griff an’s Portemonnaire vermute…
…aber beim ersten Teil falle ich hier gleich vom Hocker ! DAS kann ja wohl nur ein Scherz sein. Die unternehmerische Realitaet ist mir wohlbekannt, auch Fuehrungsverantwortung in D., wie auch in China. Ich hab’ mit meinen Methoden gute bis sehr gute Erfahrungen. Mit Deiner Schlagrichtung geht’s auch (wenige Bsp.), aber mit welchem Kraftaufwand und z.T. boesen Erfahrungen ! An den unternehmerischen Zwaengen geht ja sowieso kein Weg vorbei, allerdings halte ich ein geruetteltes Mass an Selbstreflexion und Anpassungsleistung an die Kultur einfach fuer unverzichtbar. Und wenn ich mich eben “als letzte Erklaerung” an die Nase fassen muss und entdecke, das ich aufgrund meiner Eitelkeit (letztendlich laeuft es doch immer darauf hinaus) ein gutes Ergebnis/Kompromiss gefaehrde, dann muss ich mich eben aendern/korrigieren.
Das waere realistisch und nuechtern.

“Wer einen Job will, muß die Konditionen akzeptieren, sich bei der Arbeit bewähren und bekommt den Lohn, der für das Unternehmen verträglich ist.”
Ja, kann ich teilen. Der Punkt ist wohl, was sich bei der Arbeit “bewaehrt” hat.

”Wer das nicht erfüllt, muß gehen, denn es sind gut 1.000 Millionen andere Bewerber in der Warteschlange.”
Ja, in letzter Konsequenz. Wenn ich allerdings Potential sehe, denke ich schon nach, ob es in einem vertretbaren Ausmass moeglich ist, den Mitarbeiter zu halten. Gerade die Fluktuation und der Verlust von Wissen ist doch grotesk hier ! Dabei rede ich nicht von dem ungelernten Arbeiter, der in einer Stunde einzuarbeiten ist.
 
 
aw: geschäftsidee + produktion in china   guter beitrag schlechter beitrag
kleiner Prinz
09-mai-04
@Steve
....das zweite posting laesst mich ein wenig schmunzeln, ganz entspannt lachen kann ich aber noch nicht ganz...
 
 
aw: geschäftsidee + produktion in china   guter beitrag schlechter beitrag
SteveTianjin
09-mai-04
..weiter...

Dies habe ich nicht durch Bonussysteme, lautes Peitschenknallen oder Psychositzungen in den Betrieben erreicht, sondern durch die eigene Integrität und Leistungsbereitschaft, die selbst dem dümmsten Mitarbeiter längerfristig nicht verborgen bleibt.

Sollte ich mal selbst nicht mehr durchhalten und mich daneben benehmen, ist das Spiel wahrscheinlich aus.

Es kommt also mehr darauf an, daß ich selbst mein Gesicht nicht verliere und mein Image als typisch deutscher "harter Junge" pflege.

Mir scheint es tatsächlich so, daß meine Kontrahenten in China vor allem davon fasziniert sind, wie sehr ich ihre Mentalität und auch die Schwächen verstanden habe und auch ihre eigenen Sorgen und Nöte mit den guten lieben Arbeitern und Angestellten, ihren Landsleuten, zu handeln gelernt habe.

Das ewige Einschmeicheln und nach-dem-Mund-Reden geht den Chinesen längst auf den Keks und wird letztendlich als Schwäche ausgelegt.

Bis diese Erkenntnis sich auch in den Kreisen der Sinologen herumgesprochen hat, werden weitere 6.000 Jahre vergehen, fürchte ich.

Wahrscheinlich sprechen wir noch öfter über dieses Thema, oder?

Steve
 
 
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kleiner Prinz
09-mai-04
@Steve
...lach. Nein, oder besser doch ! Darueber moechte ich Dich gerne 'mal life erzaehlen hoeren...
Klingt nun besser und auch wg. Deiner glaubwuerdig ruebergebrachten "Show" recht plausibel. Ohne den z.T. ironisch-bitteren Humor dabei liest es sich - vor allem weiter oben - schlicht sehr, sehr brutal. Die Unterordnung unter einen "harten Jung der weiss was er tut" ist ja auch nur eine moegliche Methode. Welche man tatsaechlich selber dann geht, ist ja auch Sache der persoenlichen Struktur, des eigenen Wohlfuehlfaktors und sicherlich in der Konsequenz auch des Erfolges.

Allerdings, lieber Steve, hab' ich auch den Eindruck das Du sehr gerne einmal die Kelle gegenueber vermuteten Weicheiern 'rausholst, hm ?
 
 
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SteveTianjin
09-mai-04
Hi Prinz,

Du würdest Dich wundern, denn tatsächlich müßte man das im persönlichen Gespräch und mit genügend Zeit etwas detaillierter ausführen. Natürlich ist es immer eine Mischung aus allen Komponenten, versteht sich. Nur den harten Burschen zu mimen, geht garantiert in die Hose.
Schließlich habe ich es in der Regel mit Führungskräften bzw. Betriebsinhabern und Politfiguren zu tun, die sehr wohl unterscheiden können, viele Auslandsreisen hinter sich haben und sogar schon die Europäer unterscheiden können.
Es ist wie immer im Leben, alles zu seiner Zeit!
Ich bin doch kein Idiot und weiß natürlich, wann "Diplomatie" angebracht ist und wann man die Zügel etwas lockern sollte, wann man das auf der anderen Seite auch dankbar registriert.
Es läuft meistens darauf hinaus, daß keine Seite so recht weiß, wo ich (als Person, in meiner Funktion) nun eigentlich stehe. Bin ich nun der Gute oder der Böse?
Die Deutschen sind heilfroh, daß ich ihnen manche Peinlichkeit im Umgang mit den Gästen erspare, die verfälschten/beschönigenden Übersetzungen wieder korrigiere und profunde Fachkenntnisse umsetzen kann.
Meine chinesischen Gäste spüren dagegen sehr schnell, daß ich sie nicht im Regen stehen lasse, sie nicht übervorteilt werden und mein Fachteam für das Verhandeln einer angepaßten Technologie bereit steht.
Grundsätzlich haben meine chin. Mitarbeiterinnen (ich arbeite nur mit Damen!!!!) den Delegationsteilnehmern im Vorfeld die Info zugesteckt, daß ich bereits in 50 Ländern gearbeitet habe, ehemals ranghoher Regierungsbeamter war und zudem ein Freund Chinas bin (alles natürlich streng vertraulich). Außerdem wurde alle Beteiligten zuvor darauf hingewiesen, daß ich manchmal hitzig reagieren kann, dies aber in Wirklichkeit nur Show ist und ich in Wirklichkeit ganz cool bin.
Eigentlich stimmt das sogar, aber so nett arrangiert und inszeniert wirkt es natürlich umso besser.
Wie gesagt, ich kann mich nicht beklagen.
...weiter...
 
 
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SteveTianjin
09-mai-04
..weiter

Rückschläge und Enttäuschungen kommen vor, sind aber nicht gravierend in den Au8swirkungen, wenn man die Erwartungshaltung etwas runter schraubt. Nur Erfolg wäre ja auf Dauer auch langweilig.

Ein ewiges Thema wird die Frage der Mitarbeiterauswahl in China bleiben.
Die meisten deutschen Unternehmer bzw. ihre Führungskräfte vor Ort, wollen einfach nicht begreifen, daß man kaum längerfristig Personalplanung betreiben kann.
Die gute Behandlung und gerechte Entlohnung führt eben nicht automatisch auch zu einer loyalen Haltung des Mitarbeiters bzw. zur erhofften Produktivitätssteigerung. Das verblüfft und entsetzt die deutsche Seite immer wieder, wenn ein in Deutschland mühsam geschulter Mitarbeiter dann ruck-zuck die Seiten wechselt und für 200 RMB mal schnell zum Mitbewerber geht.
Auf der anderen Seite scheinen deutsche Firmen einfach nicht verstehen zu wollen, daß der Abschluß eines Vertrages nicht etwa eine Sicherheit bietet, sondern eben erst der Beginn zahlloser Meinungsverschiedenheiten ist.
Für die Chinesen gilt nicht die Einhaltung des Vertrages als Maxime, sondern der Ansporn, möglichst die Schwachpunkte des abgeschlossenen Vertrages zum eigenen Vorteil zu nutzen. Der Grundsatz von Treu und Glauben, wie wir es in Deutschland als Kaufleute eingeimpft bekommen, scheint in China unbekannt.

Eine blinde Begeisterung für das Land und das Vertrauen auf eigene Anpassungsfähigkeit allein, hätten garantiert zum Mißerfolg geführt.

Vielleicht ist es eine Haßliebe zu China und der tagtäglich gelebte gegenseitige Respekt (auch mit Abgrenzungen), was mir die Freude an der Arbeit erhalten hilft.

Mir geht das ewige Rotzen und Schlurfen und ... und ... ebenso auf den Geist, nur finde ich immer wieder einen Ausgleich und rette mich mit ein wenig Arroganz und Humor aus der Situation.

..weiter..
 
 
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SteveTianjin
09-mai-04
..weiter...

Wir wollen nicht klagen, es stehen noch schlimme Entwicklungen ins Haus, wenn in ein paar Jahren China sich als Super-Wirtschaftsmacht (fehl-)einschätzt und 500 Millionen "Kleine Kaiser" den Anspruch auf Management-Positionen erheben, weil sie so schlau sind.

Bis dahin arbeite ich weiter an meinem Konzept, den hochgepriesenen Technologietransfer nicht zur Einbahnstraße werden zu lassen.

Ich wäre sehr froh, wenn sich in den Reihen unserer Politszene ebenfalls Leute mit Visionen ausmachen ließen, mit denen man das Thema "Globalisierung" vor allem zum Nutzen unseres Landes umsetzen könnte.

Genug für den Moment, wahrscheinlich hagelt es wieder Protest.

Laßt von Euch hören!

Steve
 
 
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kleiner Prinz
09-mai-04
@Steve
...troete und schmunzle hier vor mich hin...
(Kann nicht pennen, da die Rose nicht anruft. Weiss der Himmel, warum die wieder ‘mal nicht anruft !).
Schade, dass Du nur mit Damen arbeitest...Haette ich Zeit genug und stimmte die Bezahlung und duerfte ich Dich nicht ernst nehmen duerfen (oeffentlich natuerlich schon)...und muesste ich dann nicht immer troetschmunzeln …und Du wolltest mich nicht wirklich verbiegen wollen..., hm...wuerde ich gerne einmal noch ein Praktikum bei Dir machen und Maeusken spielen. Muss lachen, wenn ich mir da die ein oder andere Situation beim festlichen Bankett vorstelle ... wenn Du da den hohen Herren die pochierten Wachteleier aus den zitternden Elfenbeinstaebchen troetest...
...oder ich vermittle Dir ingoknito einen waschechten, jungen, hochidealisierten Sinologen aus Tuebingen, den ich dann zu einem Buch ueber seine Zeit bei Dir ueberrede...wenn er dann den Griffel noch halten kann...hoho
 
 
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(thread closed)

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